Bildstock (48.565529, 14.913571)

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Vor dem Haus Harruck 26, der ehemaligen Villa von Heinrich Krätschmer, auch „Schloss Harruck“ genannt, steht ein gemauerter Bildstock.


Der im Grundriss rechteckige Bau steht auf der Gartenmauer der Villa und hat ein steiles blechgedecktes Krüppelwalmdach, das mit einem Kreuz gekrönt ist. Die vorderen Ecken werden von zwei schmalen Säulen gebildet, die optisch das Gesimse tragen, das sich auf der Vorderseite dem Spitzbogenfenster anpasst. Die Nische ist mit einem gotischen Maßwerkfenster mit Spitzbogen verschlossen.

In der Nische steht eine bemalte Marienfigur.

Jahreszahlen und sonstige Hinweise sind nicht vorhanden.

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Zur Geschichte

„Nur mehr wenige Leute werden sich an die einstige Fabrik in Kehrbach erinnern. Und doch stand hier zur vorigen Jahrhundertwende eine beachtliche Fabriksanlage“, beginnt Wolfgang Gregor mit seiner Erzählung, große Geschäftigkeit herrschte damals in dem kleinen Dörfchen in der Gemeinde Langschlag.

Im Jahre 1874 gründete Heinrich Krätschmer sen. seine Firma in Wien, die gedrechselte Holzwaren aller Art erzeugte, darunter auch Verpackungen aus Holz wie Pillendöschen für den pharmazeutischen Sektor. Der schnell wachsende Kundenkreis erforderte bald einen größeren Standort.

Mit der stillgelegten Papierfabrik in Kehrbach wurde der Unternehmer Krätschmer schließlich fündig. Er errichtete einen Wehrbach von der Zwettl zur alten Fabriksanlage, die eingebauten zwei Francis-Turbinen lieferten 1896 Strom. Das Unternehmen florierte und verzeichnete bis zu 120 Beschäftigte – vom Dreher, Fräser, Lackierer und Verpacker bis zu den Fuhrleuten.

1909 übernahm Heinrich Krätschmer jun. das Werk. Allerdings warf der Erste Weltkrieg seine Schatten auf die Weiterentwicklung voraus, auch die darauffolgende Geldentwertung wurde nur schwer verkraftet. Dennoch ging es wieder bergauf und das, obwohl sich die Entwicklung von Kunststoffmaterialien fühlbar bemerkbar machte. Heinrich Krätschmer jun. war voller Tatendrang und dachte an weitere Expansionen.

1925 dann der Schicksalsschlag: Krätschmer jun. verstarb unerwartet, seine Witwe hatte große Mühe, das Werk weiterzuführen. Keine gute Hand bei der Wahl der Geschäftsführer, kam das Unternehmen mehr und mehr in finanzielle Schwierigkeiten. 1934 gingen die Lichter der einst so stolzen Fabrik in Kehrbach für immer aus.

Heute erinnern nur mehr die schöne Villa Krätschmer in Kehrbach, ein paar Mauerreste der Fabrik und das einstige Sommerhäuschen im Wald – das Krätschmer als seinen Kraftplatz und Rückzugsort nutzte – an diese Zeit. Letzteres ist übrigens auch besser bekannt als Klauskapelle.


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