Pranger (48.435575, 15.115063)

Pranger

Gemeinde Bad Traunstein
Bad Traunstein

Am oberen Ende des Marktplatzes von Bad Traunstein steht der Pranger.

Beim ersten Blick sieht er wie ein Bildstock aus. Auf einem würfelförmigen Sockel steht eine im Querschnitt quadratische Steinsäule. Mit einem Eisenring wird eine Steinkugel gehalten, das einzige Indiz das auf einen Pranger hinweist. Auf der Säule steht ein quaderförmiger Tabernakel mit Kragenplatte, Helmdach und Kugel. In der kleinen rundbogenförmigen Nische steht eine Marienstatue mit Kind.


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Warum der Pranger wie ein Bildstock aussieht, erklärt vielleicht folgende Geschichte.

Früher hat Bad Traunstein als Gerichtsort einen Pranger. Wann dieser errichtet wird, ist nicht bekannt. An den drei Markttagen wird dort, als Zeichen der Gerichtsbarkeit, das Schwert ausgesteckt, und jedes Jahr findet vor dem Pranger das Banntaiding, die Gerichtsversammlung, statt. Alle Hausbesitzer müssen an dieser Veranstaltung am Marktplatz teilnehmen.

Um 1840 haben angeblich Burschen aus Grafenschlag von Traunsteiner Burschen den Pranger um 10 Liter Wein gekauft. Beim Transport bricht bei der Zwicklmühle der Wagen, und die Teile des Prangers liegen längere Zeit neben der Straße. Sie werden dann als Marterl hergerichtet und auf der Einfassung der steinernen Kampbrücke, neben der Zwicklmühle, aufgestellt.

1962 können Dechant Elter und der Bürgermeister von Traunstein, Direktor Alois Enigl, vom Bürgermeister der Gemeinde Kleinnondorf, den Pranger „zurückkaufen“. Traunstein muss sich verpflichten, an Stelle des Prangers, auf die Kampbrücke ein Marterl zu setzen (es steht heute noch dort), und die seinerzeit bezahlten 10 l Wein zum Tagespreis (1963 = 200 Schilling) zu vergüten.

Die Verhandlungen sind langwierig, aber am Stephanitag 1963 können Bürgermeister Enigl, Lehrer Neuwirth und noch einige Burschen den Pranger abmontieren und nach Traunstein bringen. Die Teile werden auf dem Marktplatz gelagert.

Weil aber die Gemeinde die vereinbarten 200 Schilling Weingeld nicht gleich bezahlt, verschwinden über Nacht zwei Prangerteile. Es entbrennt ein „Prangerkrieg“, der auch die Gendarmerie und die Presse beschäftigt. Nach längerem Versteckspiel und nachdem das Lösegeld bezahlt wird, bringen einige Burschen aus Bromberg die „Geiseln“ zurück.

Im Frühjahr 1964 kann endlich das Fundament errichtet und der Pranger aufgestellt werden. Wo er ursprünglich stand, ist leider nicht genau bekannt, aber wahrscheinlich nicht sehr weit von seinem jetzigen Standort entfernt.

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