Vaterunser Stein (48.801670, 15.021300)

Vaterunser Stein

 
 

Westlich von Kottinghörmanns liegt eine Gruppe großer Restlinge im Wald, die alle eine senkrechte ebene Fläche haben. Einer von ihnen wird im Jahre 1960 zum Vaterunser Stein.


Im Juli 1960 hat Karl Riedl, ein Bauer aus Kottinghörmanns bei Schrems, das Vaterunser in einen mannshohen Granitblock gemeißelt, das gesamte Gebet, Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe, vollendet mit seiner Signatur und einem Rosenkranz. Zwei Tage soll er mit Hammer und Spitzeisen daran gearbeitet haben, ohne eine einzige Pause, in der Nacht beim Schein einer Petroleumlampe.

Vaterunser Stein
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Vater Unser Stein wird saniert

NÖN 11.09.2022 © Christine Deutsch

Vaterunser Stein
Josef Gottler zeigt auf das schon nicht mehr gut lesbare Vaterunser.

Mitten im Wald der Frank‘schen Forstverwaltung Ludwigsthal führt nur ein schmaler Fußsteig zu einem unfassbaren Platz. 62 Jahre, nachdem das „Vaterunser“ von einem Bauern in einen fünf Meter langen, zweieinhalb Meter breiten Granitblock gemeißelt wurde, wird es zum Zeichen der Dankbarkeit saniert.

Der Meister, der das Kunstwerk des „Vaterunser-Steins“ im Juli 1960 entstehen ließ, hieß Karl Riedl. Der Bewusstsein erhöhende Kraftplatz habe den damals jungen Landwirten aus Kottinghörmanns inspiriert, das Vaterunser als ,,stummes Gebet“ in einen großen Granitblock zu meißeln. Das Erstaunliche daran: Alle Worte des Gebetes mit 275 Buchstaben und fünf Satzzeichen füllen die Fläche der Steinvorderwand mit 5×2,5m zur Gänze aus. Eine ganze Woche lang soll der Bauer im Dorf nicht gesehen worden sein, niemand konnte ahnen, dass er im Wald an seinem Kunstwerk mit Hammer und Spitzeisen, auch im Schein einer Petroleumlampe, arbeitete. Er hatte links oben begonnen, Zeile für Zeile des Vaterunser-Gebets damit ausgefüllt. Am Ende Signatur, Datum und die Abbildung eines Rosenkranzes. Nach Fertigstellung des Gebetssteines in der Einsamkeit soll es ihm Erleichterung gebracht haben, er konnte zufrieden nach Hause zurückkehren. Karl Riedl soll sein Bauernhaus als ruhiger und fleißiger Landwirt bis zuletzt betreut haben, er verstarb 2001 gläubig und bescheiden im Alter von 68 Jahren.

Nach 62 Jahren ist das Gebet nicht mehr gut leserlich und stark verwittert. Josef Gottler, Spenglermeister aus Gmünd, will das ändern. „Ich habe beschlossen, als Zeichen der Danksagung für die Genesung nach einer Krebs-Diagnose, mit der Sanierung der Schrift zu beginnen und mit Steinmetzmeister Anton Pfeiffer den seinerzeitigen Originalzustand – auf meine Kosten und Zeitaufwand – wiederherzustellen“, sagt Gottler. Er fühle sich „auf eine ganz besondere Art mit diesem Kraftplatz verbunden“, ergänzt er: „Auch als Anerkennung der großen Mühe und des unerbittlichen Fleißes des Karl Riedl, möchte ich den Gebetsstein für die Nachwelt erhalten.“ Ein vergleichbares Kunstwerk gebe es wohl nirgendwo sonst auf der Welt.

Vorige Woche wurde mit der Steinreinigung begonnen, der Einsatz wird etwa drei Wochen dauern und an die 80 Arbeitsstunden erfordern.


Nach der Fertigstellung am 12. September 2022

Vaterunser Stein

Steinmetzmeister Anton Pfeiffer

Auftraggeber Spenglermeister Josef Gottler

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