Eisenkreuz (48.483974, 14.970717)

Eisenkreuz

 
 

Nördlich vom Arbesberg steht ein Eisenkreuz auf einem Restling.


Das Kreuz trägt ein Kruzifix und eine Eisentafel. Neben dem Kreuz steht eine Laterne.

Jahreszahlen und sonstige Hinweise sind nicht vorhanden.

Eisenkreuz
Eisenkreuz


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Bei der Wagner Bruck

Frieda Mauritz – WALDVIERTLER G’SCHICHTEN (1982)

Über die Errichtung des Kreuzes an der alten Meloner Straße, oberhalb der „Wagner Bruck (Brücke über den Lohnbach, die bei der Straßenverlegung 1976 abgebrochen wurde, gegenüber dem Arbesberge) gibt es drei verschiedene Erzählungen. In allen drei Varianten wird dieses Gebiet südlich vom Arbesberg als ein düsterer Graben, in dem es nicht recht zugehen soll, beschrieben. Vor allem soll hier bis hinüber in die „Meloner Au“ die „Wilde Jagd“ getobt haben. Noch in der Zwischenkriegszeit gab es da Leute, die sie selbst erlebt haben wollten. So erzählte eine Frau, dass sie auf den Boden liegend, doch schlau den Kopf leicht nach oben gedreht, mit einem Auge das furchtbare Geschehen verfolgt hätte. Zuerst erhob sich in der Stille ein leichter Wind, der sich rasch zum Orkan steigerte. Die Bäume bogen sich, die Äste schlugen wild um sich, die Felsen krachten und in den Lüften kam sie nun daher. Sie, die Wilde Reiterschar mit wiehernden und schnaubenden Rossen, deren Schweife und Mähnen flogen, deren Nüstern schnaubten, dass man es schon von weitem hören konnte. Das war ein Peitschenknallen, Hussa, und dazwischen ein Hundegekläff. Und da! Er selbst! Ganz vorne! Er, der Oberste, (Wodan der oberste Gott der Ahnen) im fliegendem Mantel, mit langem flatternden Barte und Kopfhaar. Er, an der Spitze! Die Meute ihm nach hinüber über den Sauberg in die Meloner Au. Wer sich da nicht auf den Boden niederwarf, war verloren und musste mit, mit – mit der Wilden Reiterschar!

1. Die „Wilde Jagd“ und der Bauer

Da soll es einem Bauern, der ein Wilderer war, schlecht ergangen sein. Die Jagdleidenschaft hatte ihn, wie viele andere in der Gegend, erfasst.

Fuhr er zur Arbeit auf das Feld, so lag auf dem Mistwagen, verdeckt unter einem „Jankel“, sein Stutzen. Wenn er durch das Feld die Furchen zog, lugte er oftmals hinüber in den Waldwinkel, wo gerne Rehe ästen. Und da konnte er eben nicht anders, er musste schießen. Der Jagdteufel hatte ihn erfasst. Ja, das ging so weit, dass er sogar sonntags nicht Ruhe geben konnte. Wenn seine Angehörigen in die Kirche gingen, hatte er, um daheim zu bleiben, immer eine andere Ausrede, und ging dann seiner Leidenschaft nach. Als er sonntags wieder einmal mit seinem Stutzen in den Wald schlich und in der Nähe eines Wildwechsels hinter einem bemoosten Stein hockte, um mit geladener Büchse auf das ahnungslose Wild zu warten, da hörte er wirklich bald ein Brechen von Zweigen. Und siehe da! Ein herrlicher Bock stand vor ihm. Als er aber anlegen wollte um zu schießen, da verfinsterte sich auf einmal der Himmel, dass er nichts mehr sehen konnte. Ein entsetzlicher Sturm erhob sich und schon hörte er vom Arbesberg herüber das furchtbare Geheul und Gejohle der Wilden Reiter, die schrecklich rasch näher kamen.

Dem Bauer bleibt vor Schreck der Atem weg. Er kann nicht schreien, sich nicht von der Stelle rühren, sich daher nicht auf den Boden werfen. Und das ist sein Verderben. Schon ist die Meute über ihm. Kommt immer tiefer. Er spürt schon die Hufe der Rosse und die Lefzen der Hunde. Da fühlt er sich vom Boden gehoben, in die Lüfte hochgezogen und fort geht es mit ihm. Über die Baumwipfeln hin zieht die Meuter weiter und weiter.

Als der Bauer am Abend noch nicht zu Hause war, wurde seinen Leuten, vor allem der Bäuerin bange. Daher zogen sie am nächsten Tage los, um ihn zu suchen. Doch, wo sie auch immer nach ihm schauten, sie fanden ihn nicht.

Erst nach einigen Tagen, als der Hund vor dem Hause eigenartig zu bellen begann und dann mit freudigem Jaulen fortfuhr, lief die Bäuerin aus dem Hause. Da sah sie ihren Mann auf allen Vieren, vom Hunde jaulend umtanzt, auf dem Boden daher kriechen. Er sah entsetzlich aus! Seine Hände waren voll von Schrunden, sein Gesicht blutverschmiert und voll Dreck. Die Kleidung hing ihm in Fetzen vom Leibe. Oh, es war furchtbar!

Als er nach Tagen wieder ansprechbar war und halbwegs wie ein Mensch aussah, erzählte er, dass er bei seinem furchtbaren Flug durch die Luft, nichts als gebetet habe, bis ihn endlich die Wilden Reiter fallen ließen. Als er halbtot auf dem Boden lag, gelobte er ein Kreuz zu setzen, wenn er noch einmal lebend nach Hause käme.

Und das tat er auch. Von nun an griff er keinen Stutzen mehr an und er wurde ein rechtschaffener Mensch.

2. Der Jägersmann und der schwarze Hund

Das Wildern wurde in den Wäldern um Arbesbach immer betrieben. Mag da in früheren Zeiten vielleicht die Auflehnung gegen die Obrigkeit eine Rolle gespielt haben, sicherlich war auch manchmal das Verlangen nach mehr Fleisch auf dem Tisch der Grund hierfür. Zum Großteil war es aber auf Jagdleidenschaft zurückzuführen. Ein Bauer, der täglich das Wild vor seiner Tür sah, musste schon eine recht hohe ethische Einstellung haben, wenn er da nicht endlich einmal den Stutzen holte und auf die ahnungslosen Tiere feuerte. Konnte er doch das oft gleich durch das aufgemachte Hüttentor tun. Es ist selbstverständlich, dass die Gutsverwaltung diesem Treiben nicht tatenlos zusah. Streifungen von Jägern durchs Revier waren auf der Tagesordnung. Manchmal gab es da auch ein Zusammentreffen mit den Wilderern. Diese schwärzten, damit sie nicht gleich erkannt wurden, oft ihre Gesichter. Und da, weil nicht erkannt, ging es hart auf hart. Von einer direkten Schlacht bei Dietrichsbach, die 1894 stattgefunden haben soll, ist hier in der Gegend zwar nichts bekannt, aber, dass ein Jäger erschossen oder ein Wilderer niedergestreckt wurde, war keine Seltenheit. So sollen um die Jahrhundertwende Bauern aus Purrath und Schönfeld mit Jägern im Stiftinger Wald (OÖ. Grenzwald) aufeinandergestoßen sein, wobei ein Forstbeamter getötet wurde. Im anschließenden Prozess wurden dann etliche Bauern verurteilt. In den zwanziger Jahren gab es in Arbesbach einen tödlichen Unfall beim Wildern; in den fünfziger Jahren wurde bei einer Konfrontation zwischen Jäger und Wilderer letzterer erschossen.

Dass bei den Wilderern ein Jäger, der besonders gewissenhaft und draufgängerisch sich für die Herrschaft einsetzte, nicht beliebt und sehr verschrien war, ist selbstverständlich. Daher kam er auch in allen Geschichten, die von ihm und den wildernden Bauern erzählen, meist nicht recht gut weg. Das war auch bei unserem Förster der Fall, über den folgendes erzählt wird.

Die Herrschaft Arbesbach hatte einen Förster, der nicht nur leidenschaftlicher Jäger war, sondern auch den Wilderern mit seinen ständigen Streifzügen durch die Wälder arg zusetzte. Er soll sie auch sonntags, wo er viele Bauern statt in der Kirche im Walde wusste. unternommen haben. Viele Bauern nannten ihn deshalb einen Gottlosen. Nachmittags und abends saß er dann gerne im Wirtshause, mischte sich da unter die Burschen und Männer, zahlte, war mit ihnen lustig, obwohl er wusste, dass der eine oder andere wilderte. Er rauchte dabei immer die teuersten Zigaretten und soll auch gerne aufgeschnitten und angegeben haben.

So begab es sich einmal, dass dieser Jägersmann von einem Streifgang durch den Wald über Dietrichsbach und Altmelon zur „Wagner Bruck (Abgerissene Brücke über den Lohnbach, bei der Abzweigung auf die alte Meloner Straße) kam. Da lief ihm ein schwarzer Hund entgegen, der, als ihn der Mann anredete, nicht davonlief, sondern böse knurrte, die Haare aufstellte und so tat, als wollte er ihn anspringen. Der Jäger war beileibe nicht ängstlich, aber dieses Tier kam ihm unheimlich vor. Und so riss er den Stutzen von der Schulter, legte an und schoss. Er traf es mitten auf die Stirne. Und trotzdem, der Hund fiel nicht um, sondern wuchs und wuchs, wurde immer größer und größer. Seine Augen sprühten Funken. Der Schütze war zuerst unwahrscheinlich überrascht, dann fing in ihm alles zu rennen an. Eine furchtbare Ratlosigkeit setzte ein, die von entsetzlicher Angst abgelöst wurde.

Das war kein gewöhnlicher Hund! Das war der Teufel, der ,,Leibhaftige” selbst. Ja, er war es! Derweil dem zu Tode Erschrockenen seine Machtlosigkeit und Armseligkeit zum Bewusstsein kamen, fiel ihm nichts anderes ein, als die Worte, die er immer wieder verzweifelt vor sich hinsagte: „Mein Gott hilf! Mein Gott hilf!“

Der Hund, den er nicht aus den Augen ließ, kam nun wie ein furchtbares Ungeheuer, um das die Funken sprühten, näher und näher. Gleich musste er den Sprung auf den vor Angst zitternden Mann tun. Doch, was war das? Aus dem Walde waren auf einmal Stimmen zu hören, die immer näher und näher kamen. Als nun einige Männer und Burschen unter den Bäumen hervor auf die Straße traten und auf das armselige Häuflein Mensch, das da am Straßenrande kauerte, zugingen, in ihm den Jäger erkannten und dann herzlich lachten, da flackerte im Herzen des Gequälten ein klein wenig Hoffnung auf. Und er hatte recht!
Der Hund war verschwunden. Wo er einst noch stand, züngelten nur noch einige Flämmchen aus der Erde. Aber als auch die erloschen, wusste der zu Tode Erschrockene, dass er gerettet war.

Als er später den Männern von seiner Begegnung erzählte, waren die nicht überrascht, denn sie wussten längst, dass es bei der „Wagner Bruck“ nicht mit rechten Dingen zugehe. Weil der Jäger aber immer wieder auf seinen Streifgängen über die „Wagner Bruck“ musste, wo es doch nicht ganz geheuer war, ließ er auf einem Steine an der alten Meloner Straße ein Kreuz setzen.

3. Der Jäger und der Fuhrmann

Das abgeschiedene Gebiet bei der „Wagner Bruck“ war für die Einheimischen immer ein unheimlicher Winkel. Er verlor erst an Schrecken, als die Straße begradigt wurde (1976). Dass es die „Wilde Jagd“ dort trieb, was der Wilderer am eigenen Leibe erfuhr, haben wir bereits gehört. Aus jüngerer Zeit stammen sicher die Erzählungen, die vom Teufel berichten, der bald als schwarzer Hund oder als biederer Fuhrmann, hier sein Unwesen trieb.

So trug es sich wieder einmal zu, dass ein Jäger, der von einer Pirsch in den Meloner Wäldern nach Arbesbach wanderte, hier in diesem Straßenabschnitt ein gar eigenartiges Erlebnis hatte. Bevor er zur „Wagner Bruck“ kam, hörte er hinter sich einen Wagen rattern. Als er zur Seite trat, um ihn vorbeizulassen und sich dabei umdrehte, sah er ein Pferdegespann mit einem Mistwagen, auf dem ein Mann saß, herankommen. Diesen Fuhrmann hatte er noch nie gesehen; er kannte ihn nicht. Sicherlich war er nicht aus der Pfarre.

Dem Jäger fiel gleich auf, dass er unwahrscheinlich leuchtende Augen und sein scharfgeschnittenes Gesicht einen eigenartigen, satanischen Ausdruck hatte. Als sein Blick auf die Pferde fiel, war auch in ihren Augen dieses unheimliche Feuer. Die Haare ihrer Mähnen schimmerten rötlich, obwohl ihr glänzendes Fell kohlrabenschwarz war. Von ihren Hufen flogen Funken.

„Ein eigenartiges Gespann“, dachte sich der Jägersmann, „eine ganz andere Art von Mensch und Vieh – es sind Fremde“. Weil er am Straßenrande stehenblieb, hielt scheinbar auch der Fuhrmann an. Er rückte auf seinem Sitze etwas zur Seite, um für den Jäger Platz zu machen. Als dieser überlegte, aufzusteigen, fiel sein Blick zufällig auf die Füße des Fremdlings. Da sah er, er traute seinen Augen nicht, statt Menschenfüße zwei Pferdehufe.

Da funkte es gleich bei ihm. Er wusste sofort, wem er da vor sich hatte. Alles in ihm begann sich gegen dieses Fuhrwerk zu wehren. Derweil er einen großen Schritt zurück in den Straßengraben trat, hob er abwehrend die Hand und mit den Worten „Fahr in Gottes Namen!“, deutete er ihm, weiterzufahren.

Da geschah etwas Unwahrscheinliches! Der Fremdling schlug mit einer Peitsche auf seine Tiere ein, dass tausend Funken flogen und als er zum Antrieb den Mund öffnete, kam Feuer aus ihm. Zuerst stampften die feurigen Rosse auf, wieherten mit Funkengesprüh, dann hoben sich Pferde und Wagen, dessen Räder Feuerkugeln schienen, immer mehr und mehr vom Boden, bis das höllische Gefährt in der Luft dahinfuhr, sich über die Wipfel der Bäume bewegte und eine feurige Spur hinter sich ziehend in Flammen untergehend, verschwand.

Es war der „Leibhaftige“, der Satan selbst! „Erbarme Dich meiner Barmherziger!“ betete der Zurückgebliebene, der sich am Straßenrande auf die Knie geworfen hatte und sich bekreuzigte. In diesem Momente wurde er durch den starken Schwefelgestank bewusstlos.

Als nach einiger Zeit ein Bauer, der noch zur späten Stunde nach Arbesbach musste, ihn hier fand, rüttelte er ihn wach und befragte ihn neugierig, was ihm denn geschehen sei. Da erzählte der zu Tode Erschrockene von seiner schrecklichen Begegnung mit dem Teufel.

Für die Rettung soll er aus Dankbarkeit oberhalb der „Wagner Bruck“ auf einem Steine das Eisenkreuz errichtet haben.

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