Denkmal (48.949555 15.045611)

Denkmal

 
 

Am östlichen Ufer des Herrensees steht das Denkmal für den Heimatforscher Karl Zimmel.


Auf einer im Querschnitt quadratischen Säule ruht der Porträtkopf von Karl Zimmel.
Auf der Vorderseite der Granitsäule sind der Name und die Jahreszahlen 1862-1927 eingraviert.
Darunter befindet sich eine Blechtafel (Dichter – Förderer – Heimatforscher 1862-1927).

Karl Zimmel – (* 25.10.1862 Steinbach Pfarre Schrems; † 24.12.1927 Litschau) Lehrer an der Volksschule Litschau 1888-1916.

In Litschau sind eine Straße und eine Quelle nach ihm benannt.

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Hofrat Dr. Richard Kurt Donin (* 4. Juni 1881 in Wien; † 1. Mai 1963 ebenda), ein österreichischer Kunsthistoriker und Jurist, schreibt über Karl Zimmel folgende Zeilen:

Meine Erinnerungen an Karl Zimmel.

In der April-Nummer der Zeitschrift „Das Waldviertel“ richtete die Schriftleitung an die Leser die Aufforderung, persönliche Erinnerungen an Karl Zimmel, den um seine Waldviertlerheimat so hochverdienten, am 24. Dezember 1927 verstorbenen Oberlehrer aus Litschau, mitzuteilen.
Obwohl ich es immer vermieden habe, persönliche Erinnerungen zu veröffentlichen, so sei es diesmal gewagt, aus der bisher beobachtenden Zurückhaltung herauszutreten. Wollen doch diese meine Erinnerungen an Zimmel nicht nur ein Gedenken an diesen heimattreuen Mann sein, sondern auch eine Anregung zu einer würdigen Ehrung desselben geben.
Es war am Sonntag, den 29. April 1917, als ich in eigenartiger Weise die Bekanntschaft mit Zimmel machte. Ich weilte damals in Litschau, um die amtliche Jugendfürsorge daselbst zu organisieren. Am Abend saß ich in lieber Gesellschaft von Litschauer „Honoratioren“ im Gasthause und erzählte, dass ich aus dem Grunde immer gerne nach Litschau käme, weil Litschau ja die Heimat eines niederösterreichischen Minnesängers, des „Litschauer“ sei, was, wie ich etwas spöttisch hinzufügte, wahrscheinlich in Litschau selbst niemand wisse. Kaum war mir diese Bemerkung entschlüpft, als am Nebentische ein Mann aufsprang und rief: „Oho, ich weiß etwas vom Litschauer. Es war der Oberlehrer Karl Zimmel. ER, der sonst so bescheidene Mann, der sich niemanden aufdrängte, hatte die Behauptung nicht ertragen können, dass in Litschau niemand etwas über den Litschauer Minnesänger wisse. Zimmel, der eifrige Erforscher der Geschichte der Stadt Litschau, wusste natürlich auch über ihren Minnesänger Bescheid. So machte ich die Bekanntschaft Zimmels, die sich auch in Zukunft bewähren sollte; denn das uns beiden gemeinsame Gebiet der Heimatkunde bildete die feste Grundlage. Schon am nächsten Morgen vor meiner Abreise zeigte mir Zimmel die Kirche und die Häuser Litschaus mit den durch seine Forschungen gewonnenen Datierungen. Ja, an vielen Steindenkmälern hatte er die von ihm erkundeten Jahreszahlen auch einmeißeln lassen. Mit einer gewissen ängstlichen Spannung holte er mein kunsthistorisches Urteil über die Richtigkeit dieser Datierungen ein. Auch als ich später wiederholt in Litschau mit Zimmel zusammenkam, stellte er unermüdlich Fragen über die Entstehungszeit einzelner Litschauer Häuser und Kunstwerke.
Zimmel widmete mir auch seine im Jahre 1912 erschienene Geschichte der Stadt Litschau. Ist das Büchlein auch nur klein, so ist bekannt, dass es auf jahrelangen Forschungen beruht und gewissermaßen nur ein Auszug einer umfangreicheren Stadtgeschichte ist, die, wie er mir schrieb, die Frucht einer fünfundzwanzigjährigen Arbeit war und leider nicht mehr zum Drucke gelangen sollte. Auch der 1915 erschienene Heimatweiser für Litschau nimmt einen Platz der Ehrung und des Gedenkens an Zimmel in meiner Bücherei ein.
Zimmel sandte mir ferner ein Verzeichnis über seine Stiftungen mit einem kurzen Abriss seines Lebens. Seine Stiftungen, über die wohl Berufenere für diese Blätter schreiben werden, zeigten seine hauptsächlichen Bestrebungen: Ehrung der Heimat und Fürsorge für deren Kinder. So stiftete er öfter Büchereien für Schulen, und dieser volksbildnerische Zug zeigt sich auch in seinem Bestreben, die von ihm erforschte Geschichte von Litschau und Umgebung weitesten Kreisen zugänglich zu machen. Nicht nur durch seine Schriften, sondern auch in Stein wollte Zimmel die Geschichte Litschaus seinen Mitbürgern mitteilen, und mit einem gewissen Stolz führte er mich zu dem von ihm errichteten Pestkreuze, der Soldatentafel und dem Hamerling Denkmal.
Viel näher sollte mich aber mit Zimmel der alte Minnesänger aus Litschau verbinden, der unsere Bekanntschaft vermittelt hatte. Obwohl ich kein Freund von überflüssigen Denkmälern bin, welche die Mitwelt oft Scheingrößen setzt, die nur zu bald von der Bildfläche verschwinden, so glaubte ich doch, dass in Litschau wenigstens eine bescheidene Tafel daran erinnern sollte, dass ein Minnesänger aus dieser Stadt stamme. Wenn wir auch wissen, dass nicht nur Walther von der Vogelweide, sondern auch andere Minnesänger gerne in den niederösterreichischen Babenberger Residenzen gesehen wurden, wenn wir auch den Aufenthalt einzelner Minnesänger, so zum Beispiel Walthers, Ulrichs von Lichtenstein und Neidharts von Reuenthal, in verschiedenen niederösterreichischen Ortschaften wissen, so ist wohl nur von einem Minnesänger bekannt, dass er ein gebürtiger Niederösterreicher war, nämlich von dem nach seiner Vaterstadt benannten Minnesänger „Der Litschauer“.
Zimmel war von der Idee eines Denkmales für den heimischen Minnesänger sofort begeistert. Gemeinsam suchten wir den Ort, wo die Gedenktafel hinkommen sollte. An der Kirchenmauer, zwischen zwei gotischen Strebepfeilern, sollte es sein. Blumen, von denen ja die Minnesänger so oft „singen und sagen“, sollten vor dieser Litschauer Tafel blühen.
Es erschien aber auch notwendig, den in seiner Waldviertler Heimat fast völlig vergessenen Litschauer wieder in das Gedächtnis seiner Landsleute zurückzurufen. Ich verschaffte Zimmel eine Wiedergabe des Bildes der Manessischen Liederhandschrift, das den Litschauer Minnesänger darstellt, wie er mit zwei Sängerknaben vor einem König mit Krone und Zepter, vielleicht Ottokar II., erscheint. Dieses Bild ließ Zimmel in verschiedenen Heimatzeitungen mit begleitendem Text erscheinen, während ich bei allen Vorträgen über die mittelalterliche Kunst unseres Landes dieses Minnesängers gedachte. Doch damit nicht genug. Es war auch gelungen, den mir befreundeten Philologen der Wiener Universität, Prof. Dr. Dietrich Kralik, für eine volkstümliche Ausgabe der Dichtungen Litschauers zu gewinnen. Kralik hatte sich auch sogleich an die Arbeit gemacht, und sein Manuskript ist heute noch in meinem Besitze. Die in der Jenaer und Manessischen Handschrift uns überlieferten, nicht sehr zahlreichen Dichtungen, Strophen und Sinnsprüche unseres Minnesängers, von denen einige ganz modern anmuten, sollten in der Reihe der hübschen, vom Landesjugendamte herausgegeben „Jugendhefte für Kunst und Literatur“ erscheinen.
Leider kam auch dieses Vorhaben ebenso wenig zur Ausführung wie die beabsichtigte Gedenkplatte, wegen derer ich bereits mit Wiener Bildhauern Fühlung genommen hatte und die in Metalltreibearbeit das Bild des Litschauers aus der Manessischen Handschrift enthalten sollte. Die eintretende Geldentwertung hatte alle diese Pläne zunichte gemacht, und es berührt mich auch heute noch wehmütig, dass Zimmel, der ja kurz vorher die Hauptlasten des Litschauer Denkmals tragen wollte, bei der letzten Begegnung vor seinem Tode sichtlich von Geldsorgen gedrückt wurde. Über die Litschauer Gedenktafel sprach ich damals aus Taktgründen nicht mehr mit Zimmel, den ich nicht mehr sehen sollte.
Diese Erinnerungen an Karl Zimmel, der unter Hintansetzung persönlicher Bedürfnisse Mittel und Zeit erübrigte, um der Heimat zu dienen, möchten gezeigt haben, dass eines der letzten Werke dieses eigenartigen Mannes die Erinnerung an den Waldviertler Minnesänger „Litschauer“ seinem Heimatvolke wieder lebendig machen sollte. Es wäre wohl die schönste Ehrung für Zimmel, wenn die Gegenwart diese Idee, die ja schon einmal ganz nahe der Verwirklichung war, durchführen würde. Die Zeit erscheint mir dazu nicht ungünstig. Hatten doch die Feiern des 700. Todestages Walthers von der Vogelweide, die in Deutschland und Österreich stattfanden, die Bedeutung des Minnesanges, dieser frühesten Hochblüte deutscher Lyrik, weitesten Kreisen nahegebracht.
Es wäre eine Bereicherung der Kultur des Waldviertels, wenn neben dem Waldviertler Dichter der Neuzeit, Robert Hamerling, auch der Dichter des mittelalterlichen Minnesangs aus Litschau im Volke lebendig würde. Und hier würde es sich ja nur um die Fortsetzung einer Arbeit handeln, welche Karl Zimmel im Verein mit mir begonnen hatte und der ich mich nach wie vor gerne zur Verfügung stellen würde auch zur Ehre des Andenkens an Zimmel. Denn die höchste Ehrung eines teuren Toten sind nicht die Worte, sondern die Verwirklichung seiner Ideen.


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