Interview von Doris Heider (Stift Zwettl) mit Christoph Schulner, Obmann-Stv. des Pfarrgemeinderates Jagenbach
Lieber Christoph, wo genau findet man den Jagenbacher „KREUZ Weg“ und wie ist dieser entstanden?
Von Zwettl kommend, steht kurz vor Jagenbach ein Eisenkreuz mit einer eisernen Rückwand, auf dem das Wort „Weg“ zu lesen ist. Zusammen ergibt diese etwas eigenwillige und durchaus kreative Gestaltung den Begriff „KREUZ Weg“. Hinter diesem Kreuz beginnt ein Kreuzweg, der entlang eines Waldweges im sogenannten Berglußholz mit 15 Stationen angelegt ist. Auf diesem ansteigenden Waldstück passen sich die Kreuzwegstationen sehr gut an das Gelände an, das wie geschaffen erscheint für diesen Zweck.
Die ersten Holzkreuze mit Texttafeln und Bildern hat Herr Wilhelm Fischer, ein gebürtiger Jagenbacher, in den Jahren 1995 bis 1997 hier errichtet. Dieses Herzensprojekt war ihm in der Zeit, als sein Sohn Werner nach einem schweren Unfall ans Bett gefesselt war und gepflegt wurde, ein großes Anliegen. Herr Fischer hat alle Materialien händisch hinaufgetragen, vom schweren Betonsockel bis zu den einzelnen Kreuzen.
Nachdem Herr Fischer verstorben war, hat sich Herr Josef Schiller um den Kreuzweg angenommen, die Holzkreuze im Jahre 2010 renoviert und die Anlage gepflegt. Er war sehr engagiert in der Pfarre unter anderem als Mesner, und der Kreuzweg war auch ihm sehr ans Herz gewachsen. Auch Herr Schiller ist leider bereits verstorben. Da es üblich war, in der Fastenzeit einmal die Kreuzwegandacht hier im Bergluß abzuhalten, wurden die Stationen weiterhin von Freiwilligen mit Blumen und Palmzweigen geschmückt.
Wer hat danach die Pflege des Kreuzweges übernommen?
Da die Holzkreuze schon sehr in Mitleidenschaft gezogen waren, ist man an uns herangetreten, ob man die Stationen nicht erneuern oder renovieren könnte. Der Verschönerungsverein und der Pfarrgemeinderat haben sich abgesprochen, und gemeinsam haben wir die neuen Stationen geplant und erarbeitet. Die Kreuze wurden in Zusammenarbeit von meinem Vater Karl Schulner, Peter Pollak, Bernhard Thaler und mir gefertigt und aufgestellt. Die Kreuzwegbilder wurden mit einer computergesteuerten Graviermaschine gelasert. Wir wollten alles sehr schlicht und naturbelassen halten, damit das Holz natürlich abwittert. Gestrichenes Holz muss man immer wieder nachstreichen, und schaut dann unschöner aus als natürlich vergrautes Holz.
Wann wird dieser Kreuzweg gemeinsam gebetet?
Jedes Jahr am Palmsonntag Nachmittag findet im Bergluß die traditionelle Kreuzwegandacht statt, die von der Jugend gestaltet wird. Dabei singen wir zwischendurch einige Lieder, die mit der Gitarre begleitet werden. Wir versuchen auch, verschiedene Texte zu verwenden. Heuer wurde der neue Kreuzweg offiziell er-öffnet, und die Andacht war sehr gut besucht. Es sind auch ganz zufällig Besucher vorbeige-kommen, die hier in der Gegend einen Ausflug gemacht haben. Sie waren so begeistert, dass sie nächstes Jahr auf jeden Fall wiederkommen möchten.
Die sonstigen wöchentlichen Kreuzwegandachten in der Fastenzeit werden sonntags vor der Messe in der Pfarrkirche abgehalten.

