Gedenkstein (48.788870, 15.000690)

Gedenkstein

 
 

Östlich von Großeibenstein in der Nähe des Herschenbergsteinbruches steht ein Gedenkstein, der an den größten Granitblock (die Lutherische Kirche 2.432 m³) der Blockheide erinnert.


Auf einer Kupfertafel kann man Folgendes lesen: „Hier stand bis 1897 die LUTHERISCHE KIRCHE. An dieser Stelle wurden bis um das Jahr 1690 geheime Evangelisch Lutherische Gottesdienste abgehalten. Evang.Pfarrgemeinde A.u.H.B.Gmünd“.

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Aus der Chronik von Gmünd:
Das vom Ufer der Lainsitz stufenweise zu den Anhöhen von Grillenstein emporsteigende Land war mit Granitblöcken übersät. Die meisten Steinlager, so auch die „Lutherische Kirche“, wurden ausgebeutet, das Material mit der Franz-Josefs-Bahn nach Wien und bis Budapest verfrachtet, wo es bei zahlreichen Bauten Verwendung fand.

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Angelika Ficenc berichtet über den Gedenkstein “LUTHERISCHE KIRCHE” auf der Blockheide:
Die Stadt Gmünd war im 16./17. Jahrhundert einer der wichtigsten Stützpunkte des Protestantismus in Niederösterreich. 1544 wurde von der Herrschaft Greiß der letzte katholische Pfarrer abgesetzt. In den folgenden fast 100 Jahren waren fast alle Gmündener evangelisch-lutherischen Glaubens.
Infolge des Sieges von Ferdinand II. in der Schlacht am “Weißen Berg” wurde alle evangelischen Lehrer und Prediger des Landes verwiesen, in Gmünd hielt sich dennoch eine protestantische Mehrheit. Vertreibungen und Zwangsbekehrungen führten dazu, dass ab 1643 die Mehrheit der Gmünder katholisch war.
Die rund 200 in Gmünd verbliebenen evangelischen Bürger trafen einander trotz Verbotes weiter heimlich zu Gottesdiensten – hier bei einem Granitstein, der noch viele Jahre später im Volksmund “Lutherische Kirche” genannt wird.
Bei einer dieser Zusammenkünfte soll es 1690 zu einem von der “Bekehrungskommission” angezettelten Massaker an evangelischen Christen gekommen sein. Erst ab 1891 wurden in Gmünd wieder evangelische Gottesdienste abgehalten, seit 1902 gibt es wieder einen evangelischen Pfarrer in Gmünd und 1911 wurde die evangelische Friedenskirche in der Bahnhofstraße eröffnet.
StephaniebrückeDer 2.432 Kubikmeter große Granitstein an dem sich die evangelischen Bürger einst geheim trafen, wurde abgebaut. Ein Teil davon wurde 1884-1886 für den Bau der Stephaniebrücke (heute Salztorbrücke) in Wien verwendet, der Rest für die Errichtung der Wiener Stadtbahn.
Dieser Gedenkstein wurde 1991 von Pfarrer Hermann Lohninger an der Stelle der ehemaligen “Lutherischen Kirche” errichtet – zum Gedenken an die wegen ihres Glaubens verfolgten Gmündener.


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